Learning Labs & Co

Die Berufsausbildungen im Metall- und Elektrobereich sind Vorbilder für den Einsatz digitaler Transformation. Das Forschungsinstitut Betriebliche Bildung hat nun einen Plan für die Optimierung der Ausbildung und der Lernorte erstellt. Nun sollte dieser auch rasch in die Lehreraus- und Weiterbildung aufgenommen werden:

Digitale Transformation gestalten: Lernortkooperation neu ausrichten

Wie kann die Lernortkooperation in der beruflichen Bildung gestaltet werden, damit Auszubildende besser auf die Arbeitswelt der Zukunft vorbereitet werden? Dieser Frage hat sich das f-bb am Beispiel der Metall- und Elektroindustrie in drei Bundesländern gewidmet.

Das Ergebnis: Physische Räume zum Erfahrungsaustausch und zum gemeinsamen Lernen behalten ihre hohe Bedeutung. Immer wichtiger werden, wie nicht zuletzt die Corona-Krise zeigt, virtuelle Lern- und Austauschplattformen. Außerdem braucht es verlässliche Begleit- und Unterstützungsstrukturen vor Ort.

Die digitale Transformation der Lern- und Arbeitswelt hat in der M+E-Industrie einen besonderen Stellenwert. Der Branche kann eine Vorreiterrolle zugeschrieben werden, da ihre Leistungsprozesse stark von der Nutzung digitaler Technologien geprägt sind.

Während die Berufsbilder der M+E-Branche gestaltungsoffen und technikneutral formuliert sind und damit ausreichend Potenzial bieten, um Kompetenzen für die Bedienung neuer Maschinen und Anlagen sowie Softwareprogrammen zu entwickeln, bestehen hinsichtlich des Digitalisierungsgrades an den verschiedenen Lernorten – Produktion, Lehrwerkstätten und Unterrichtsräume – große Unterschiede. Eine Angleichung wäre wünschenswert, da Auszubildende dadurch effizienter und praxisorientierter lernen könnten. Außerdem können die Lernorte Synergien bei der Entwicklung von Unterrichtskonzepten und (digitalen) Lerninhalten generieren.

Wie kann die Lernortkooperation verbessert werden? Hierzu hat das f-bb exemplarisch für die drei Bundesländer Bayern, Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt erste Empfehlungen und Maßnahmen identifiziert. Zunächst könnten gemeinsam genutzte physische Räume im Sinne von gut ausgestatteten „Learning Labs“ allen involvierten Akteuren – Ausbilderinnen, Lehrkräfte, Lernende aber auch Expertinnen aus Hochschulen und Technologiezentren – einen Ort zum Experimentieren, zur Qualifizierung und zum Sammeln von Erfahrungen bieten.

Die Räume bieten sich auch an, um Ausbildungs- und Unterrichtsmaterialien unter Nutzung von Industrie-4.0-Anlagen zu entwickeln. Beispiele für Themen, die in den „Learning Labs“ didaktisch aufbereitet werden können, sind etwa der Umgang mit Big Data, der Einsatz „Digitaler Zwillinge“ bzw. einer virtuellen Lernfabrik Industrie 4.0, die interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen kaufmännischen und gewerblich-technischen Fachbereichen oder die Nutzung virtueller Assistenzsysteme.

Zur besseren Kollaboration tragen auch gemeinsam betriebene virtuelle Plattformen bei. Die Plattformlösungen sind so zu gestalten, dass sie anschlussfähig sind an weit verbreitete Tools wie z. B. Moodle-Plattformen und den datenschutzrechtlichen Anforderungen genügen, z. B. im Falle von Microsoft-Office-Angeboten.

Neben physischen und virtuellen Räumen kann die Einrichtung regionaler Begleit- und Unterstützungsstrukturen besonders stark zur besseren Lernortkooperation beitragen. Zusätzlich zu den Lehrkräften und Ausbilder*innen braucht es Personen vor Ort, die den Prozess des kollaborativen Lernens und Arbeitens vorbereiten und anleiten sowie die regionale Vernetzung mit weiteren Akteuren unterstützen. Die genaue Ausgestaltung könnte im Rahmen von Modellprojekten erprobt werden.

Ein solches Vorgehen würde eine neue Qualität der Lernortkooperation mit sich bringen. Wie nötig eine solche ist, zeigt die aktuelle Krise. So sind digitales Lernen und Lehren zwar in der Not möglich, systematische Strukturen zur Lernortkooperationen fehlen aber völlig. Weitere konkrete Vorteile: Klassische Lernorte können unter Einbezug von Partnern Synergien bei der Entwicklung neuer Unterrichtskonzepte und (digitaler) Lerninhalte generieren. Zudem kann die Fortbildung von Ausbilder*innen und Lehrkräften über verschiedene Institutionen hinweg konzertiert erfolgen.

Auch die Thematik der neu eingeführten, bislang aber nur wenig nachgefragten Zusatzqualifikationen könnte so aufgegriffen werden. Dies setzt jedoch voraus, dass das Thema der kooperativen Zusammenarbeit und der gemeinsamen Nutzung virtueller Plattformen verstärkt in die Lehreraus- und -fortbildung sowie in die Ausbilder-Weiterbildung integriert werden. Hierfür bedarf es weiterführender Forschungs- und Erprobungsprojekte.

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